Von Jürgen Herda, einem Bruder mit Zeitung im Blut und Bytes im Herzen

Liebe Brüder, lasst mich gleich mit der Tür ins Tempelhaus fallen: Auch ich habe die Zeitung geliebt.

Das Knistern des Papiers, die Druckerschwärze an den Fingern, der Geruch nach frisch Gedrucktem – all das war für mich mehr als nur Beruf. Es war Berufung.

Als Redakteur, Ressortleiter, Chefreporter und Volontärsbetreuer habe ich Jahrzehnte für Print geschrieben, gelebt, manchmal auch geflucht. Weil die Auflagen zuerst in den fernen USA, dann auch bundesweit und schließlich sogar regional immer weiter zurückgedrängt wurden.

Deshalb stehe ich heute hier – vor euch – als künftiger Redakteur der „humanität online“ und könnte schon anders: nämlich einen tränentriefenden Abgesang auf das gedruckte Wort verfassen. Ich möchte aber an dieser Stelle aus Überzeugung eine Lanze für die Chancen der Printkrise brechen.

Denn eines habe ich dabei gelernt: Der Geist der Aufklärung ist nicht an Zellulose gebunden. Er lebt im Wort, in der Idee, im Austausch. Und dieses geistige Licht müssen wir dorthin tragen, wo sich die Schatten verdichten – ins Netz. Leider nicht nur im Dark Net.

Abschied vom Rascheln – Aufbruch ins Jetzt Natürlich schmerzt der Abschied von der gedruckten Ausgabe. Aber der Wandel führt zu keinem substanziellen, sondern lediglich einem materiellen Verlust. Der Faden der Tradition bleibt bestehen – nur das Medium ändert sich. Und es muss sich ändern: Denn das gedruckte Wort erreicht nicht mehr jene, die wir erreichen müssen. Die Gesellschaft hat sich verändert. Und wir, als Freimaurer, haben die Pflicht, diesen Wandel zu begleiten, mitzugestalten – nicht ihm hinterherzulaufen.

Denn in einer Phase, in der sich Menschen in Echokammern verkriechen und der Algorithmus der Tech-Giganten und Autokraten-Buddys oft stärker wirkt als der gesunde Menschenverstand, braucht es Stimmen der Vernunft. Fakten. Kontext. Haltung. Kurz: konstruktiven Journalismus.

humanität als Kompass

Mein Ansatz ist einfach – und gleichzeitig ambitioniert: Die „humanität online“ soll nicht nur berichten, sondern einordnen, erklären, verbinden. Sie soll das tun, was Medien können,
wenn sie ernst genommen werden wollen: Vertrauen stiften. Orientierung geben. Meinungsaustausch ermöglichen.

Und ja, das passt – wie die Zirkel zur Loge – zu unseren freimaurerischen Werten: Freiheit. Gleichheit. Brüderlichkeit. Toleranz. Menschenliebe.

Wir wollen den Dingen auf den Grund gehen. Lösungen denken, statt Probleme zu multiplizieren. Wir wollen das Bild der Freimaurerei als Ort der Aufklärung, des Engagements, der
Weltoffenheit zeigen – nicht nur für uns, sondern für die Gesellschaft. Keine Digitalisierung von oben – sondern mit euch Diesen Wandel will ich nicht allein gestalten – und auch nicht
über eure Köpfe hinweg. Deshalb werde ich euch einladen:

  • Zu Wort zu kommen: In Interviews, Umfragen, Diskussionsformaten.
  • Eure Gedanken zu teilen: Was wünscht ihr euch von der „humanität online“? Welche Themen sollen bleiben, welche fehlen euch?
  • Mit mir auf Reisen zu gehen: Im Format „Redaktion vor Ort“ besuche ich eure Städte, eure Logen, eure Lieblingsorte. Erzählt mir, wie ihr Freimaurerei lebt. Zeigt mir eure Perspektive.

So entsteht ein „Reiseführer zur Humanität“, ein Mosaik der Logenlandschaft in Deutschland. Und auf dem Weg dahin zeichnen wir gemeinsam das neue Bild unseres Magazins.