Von Bruder P. Günter Strauss
„Then from Earth orbit, the Earth is so small and so fragile, and such a precious little spot in the universe, that you can’t help but love it and feel the need to care for it.“
— Edgar Mitchell, Apollo-14-Astronaut„Aus der Erdumlaufbahn ist die Erde so klein und so zerbrechlich, ein derart kostbarer kleiner Fleck im Universum, dass man sie einfach lieben und sich um sie kümmern muss.“
Die ersten Astronauten waren beeindruckt, wie klein, verletzlich und hilfsbedürftig unsere Erde im weiten Universum ist. Das wurde ihnen erst bewusst, nachdem sie die Erde aus einer großen Entfernung betrachten konnten.
Inzwischen haben Wissenschaft und Technik ungeahnte Fortschritte gemacht. Aus Hunderten von Kilometern Distanz werden Spuren von 5 mm großen Borkenkäfern verfolgt und ihre Ausbreitung prognostiziert, neue Biberteiche ohne Vor-Ort-Begehungen entdeckt und kartiert. Experten analysieren Dichte und Vitalität von Vegetationen oder evaluieren die Qualität von Gewässern durch Bestimmung der Algenbiomasse. Nicht zuletzt können Aussagen gemacht werden zur Entwicklung von Siedlungsflächen und Ballungsräumen.
Ein Vortrag im Münchner Logenhaus
„From a Distance – Der Blick von oben auf unseren Lebensraum“ war das Thema der öffentlichen Sommermatinée der Loge „Lessing zum flammenden Stern“ im Juli 2026 im Münchner Logenhaus. Der Redner war Prof. Dr.-Ing. Andreas Schmitt von der Fakultät für Geoinformationen an der Hochschule München sowie dem Institut für Anwendungen des maschinellen Lernens und intelligenter Systeme. In seinem faszinierenden Vortrag erklärte er die Arbeitsweise der Forschung mit KI-unterstützten Analysen von Luftbildern und Satellitendaten.
Besonders hervorzuheben ist, dass die Daten in seinem Arbeitsbereich ausschließlich aus europäischen Datenquellen stammen und öffentlich zugänglich sind. Beispielsweise stellt die Bayerische Vermessungsverwaltung Luftaufnahmen für den Bereich Bayern zur Verfügung. Die Satellitendaten dagegen stammen von der Europäischen Weltraumorganisation (European Space Agency, ESA).
Von Orthophotos zu Sentinel-Satelliten
Prof. Schmitt erklärte die Auswertungsmöglichkeiten anhand von praktischen Beispielen aus München, Bayern und grenzüberschreitenden Ballungsräumen. Selbst bei der grundlegenden und traditionellen Methode der Luftaufnahmen zeigten sich beachtliche Fortschritte. Die sogenannten digitalen Orthophotos aus Bayern, die alle zwei Jahre aus etwa 5.000 Meter Höhe aufgenommen werden, geben ein Gelände maßstäblich wieder, mit einer Bodenauflösung von bis zu 20 cm. Sie bilden auch die Grundlage für die Herstellung von Luftbildkarten. Mit einem Infrarot-Kanal, zusätzlich zu den Echtfarbenbildern, können Umfang und Vitalität der Vegetation ausgewertet werden.
Aber es kommt noch besser. Die meisten der präsentierten Auswertungen stammten aus der „Copernicus Sentinel-2 Mission“ der ESA. Zwei identische Satelliten, die sich in einer bestimmten Konstellation in derselben Umlaufbahn (Orbit) befinden, generieren bei dieser Methode die Daten. Die Satelliten sind mit Multispektralkameras ausgerüstet. Der Einsatz von 13 Spektralbändern ermöglicht vollkommen neue Perspektiven auf Land und Vegetation – und zwar alle fünf Tage.
Von Daten zu Erkenntnissen
Die Masse der generierten Daten wird mithilfe künstlicher Intelligenz (KI) zusammengeführt und analysiert. Prof. Schmitt zeigte anschauliche Beispiele, wie Siedlungsstrukturen von Ballungsräumen mit mathematischen Algorithmen als sogenannte „Stadtellipsen“ visualisiert werden können. Solche bildlichen Darstellungen veranschaulichen Kernbereiche in Ballungszentren, ihre Ausrichtung und ihr wahrscheinliches Wachstumsverhalten – auch grenzüberschreitend. So zeigen sie beispielsweise, wie Orte im Laufe der Zeit zusammenrücken, wenn schnelle Verkehrsverbindungen bestehen. Langsame Verkehrsverbindungen lassen Orte hingegen auseinanderdriften.
Insgesamt verstand es Prof. Schmitt nicht nur, anschaulich darzustellen, wie die Datenmasse aus dem Orbit für praktische Zwecke nutzbar gemacht werden kann. Er zeigte auch, wie sich neben der Analyse des Ist-Zustandes grenzübergreifende Prognosen erstellen lassen – vom Zustand der Vegetation über die Gewässer bis hin zur Entwicklung von Ballungsräumen.
Jetzt braucht es nur noch den Willen, die Gefährdungen unserer verletzlichen Erde zu erkennen und uns um den Fortbestand unseres Planeten durch entsprechende Maßnahmen zu kümmern.
Diskussion und Dank
Die Anwesenden erhielten nach dem Vortrag die Möglichkeit, an der durch den zugeordneten Alt-Großmeister Willi Drach souverän geleiteten Diskussionsrunde teilzunehmen. Auch wurde die Alternative rege genutzt, am kalten Buffet die kulinarischen Häppchen und die Häppchen aus dem Orbit im persönlichen Gespräch mit Prof. Schmitt zu verdauen.
Besonderer Dank geht an den Distrikt Bayern, der durch den Alt-Distriktmeister Dr. Volker Frühling vertreten war.