Von Br. Steffen Hauptmann, Loge „Insel zu den drei Ufern im Orient Lindau“
Selbsterkenntnis ist einer der zentralen Begriffe der Freimaurerei, der den Bruder sein ganzes maurerisches Leben begleitet, und zwar ganz unabhängig davon, welchen Grad er erreicht hat. Warum ist das so, frage ich mich, und was hat es mit diesem eigentlich simplen Begriff, den doch jeder schon mal gehört hat, eigentlich auf sich?
Die zentrale Bedeutung der Selbsterkenntnis im freimaurerischen Kontext erschließt sich recht leicht, wenn man sich unsere Ziele vergegenwärtigt. Unser Bund stellt jedem
seiner Mitglieder als zentrales Anliegen die Aufgabe, „sich selbst zu einem edlen Menschen zu bilden, sich zu vervollkommnen und das zur Geltung zu bringen, was in ihm angelegt ist“ (so formulierte es Alois Kehl, der selbst kein Freimaurer war). Die Grundlage aller Persönlichkeitsentwicklung ist eben die Selbsterkenntnis, weil man ohne sie niemals erfahren wird, was in einem angelegt und damit entwickelbar ist. Und genau auf diesen Weg, den der Selbsterkenntnis, wird man im Initiationsritual bei der Aufnahme in unseren Bund gesetzt: da beginnt etwas, es wird etwas initiiert und das ist eben dieser Weg.
Wenden wir uns nun dem geistesgeschichtlichen Hintergrund dieses Begriffes zu. Dessen imperative Form: „Erkenne dich selbst“ stand am Eingang des Apollontempels in Delphi (genauer gesagt stand das ΓΝΩΘΙ ΣΕΑΥΤΟΝ am Vorgängerbau – also dem Alkmenoiden-Tempel, der von 510-373 v. Chr. dort stand). Eine Legende sagt, dass die Sieben Weisen[1] zusammenkamen, um dem Gott Apollon diesen Spruch als Quintessenz ihrer Lebensweisheiten in seinem Tempel zu stiften.
Eine andere Legende besagt, dass der Spruch tatsächlich ein göttliches Orakel war, den Pythia im Auftrage des Apollon an Chinon übermittelte, als er das Orakel um Rat fragte. Wie auch immer dem sei, der Spruch ist alt, hat offenbar kräftige Wurzeln und ist bedeutungsvoll, denn sein Vorhandensein in Delphi kann ja so interpretiert werden, dass man erst dann die göttliche Instanz anrufen, wenn man sich selbst geprüft und erkannt hat (dann ist der Weg dahin vielleicht gar nicht mehr nötig). Dass Selbsterkenntnis ein tiefgehender Prozess ist, hat schon Sokrates erkannt, denn er schrieb, dass der, der nur seinen Körper kennt, wohl das Seinige kennt, aber nicht sich selbst. Das tut er nur, wenn er seine Seele erkannt hat. Man muss sich also selbst ganz nahekommen, oder wie Persius schrieb: „Suche dich nicht draußen, sondern beziehe eine Wohnung bei Dir.“ Selbsterkenntnis ist ein langer und schwieriger Weg.
Man kann sich erkenntnistheoretisch sogar fragen, inwieweit der Mensch überhaupt in der Lage dazu ist, sich selbst zu erkennen. Erkennen allgemein setzt ja eine Subjekt-Objekt-Beziehung voraus, bei der das Subjekt das ihm gegenüberstehende Objekt erkennt. Bei der Selbsterkenntnis nun ist es so, dass Subjekt und Objekt eines sind. Wenn ich mich erkenne, mache ich mich selbst zum Objekt, aber: bin ich dann noch das erkennende Subjekt? Dies ist ein philosophisch ausgesprochen interessantes Thema, soll hier aber nicht Gegenstand der Betrachtungen sein.
Nietzsche sagte: „… der Spruch ‚Erkenne dich selbst!‘ ist, im Munde eines Gottes und zu einem Menschen geredet, beinahe eine Bosheit“, was die Schwierigkeit des Unterfangens gut umschreibt. Aber selbst dann, wenn das nicht vollständig gelingt oder gelingen kann, ist es wichtig, sich auf den Weg zu machen, weil nur der, der geht, der sich bewegt, überhaupt etwas Neues finden kann und auch lernt, dass eine Landschaft, aus verschiedenen Perspektiven betrachtet, ganz verschiedene Eindrücke zu vermitteln vermag.
Das, was bei aller individuellen Verschiedenheit der Menschen einem jeden durch Selbsterkenntnis geschenkt wird, ist Ehrfurcht und Demut, denn man kann die Inschrift am Apollontempel auch so verstehen, dass der Eintretende, welcher sich anschickt, die Gottheit zu befragen, daran erinnert werden soll, dass er eben nur ein Sterblicher, ein Mensch mit begrenzten Möglichkeiten ist. Oder um nochmals auf Persius zurückzukommen, der ja dazu geraten hatte, Wohnung bei sich selbst zu nehmen: Wenn man dies tut, „…dann würdest Du erkennen, wie kümmerlich dein Mobiliar ist“, schrieb er nämlich weiter. Aber Selbsterkenntnis ist viel mehr.
Cicero schrieb: „glaube nicht, das ‚Erkenne dich selbst‘ ist nur gesagt, um den Hochmut des Menschen zu dämpfen, vielmehr sollen wir dadurch all das Gute in uns erkennen“, also unsere Anlagen, Bedürfnisse und Fähigkeiten, aber auch unsere Schwächen und Fehler – und darum geht es, wie ich finde. Anfang des 12. Jahrhunderts predigte Bernhard von Clairvaux[2] sein „Neminem absque sui cognitione salvari“ (Niemand wird gerettet ohne Selbsterkenntnis), und diese Formulierung hat schon eine große Dimension. Dass sich so viele der antiken Geistesgrößen mit diesem Begriff befasst haben, zeigt schon, dass der Begriff der Selbsterkenntnis nichts spezifisch Freimaurerisches ist. Das Besondere und Einzigartige bei uns ist nicht das Optionale des Gehens dieses Weges, sondern das Essentielle und die Methodik, derer wir uns dabei bedienen: Ritualistik und Symbolik. Bemerkenswert ist auch, dass sich dieses alte Thema bis heute hält und bei uns bekanntermaßen breiten Raum einnimmt, aber von manchen neuzeitlichen Philosophen kategorisch abgelehnt wird. Da stellt sich doch die Frage, was es mit der Selbsterkenntnis auf sich hat und dieser Frage wollen wir hier nachgehen. Im Grunde genommen erklärt sich dieser schlichte Begriff ja eigentlich selbst, weswegen man sich fragen muss, warum so viel Aufhebens darum gemacht wird. Deswegen untersuchen wir jetzt, was sich dahinter eigentlich verbirgt, wie man feststellen kann, dass man sich selbst erkannt hat, ob das überhaupt wichtig ist, ob es überhaupt möglich ist, ob es gut für uns ist und was der Selbsterkenntnis entgegensteht.
Sich selbst zu erkennen, bedeutet nicht bloß, einige Eigenschaften an sich benennen zu können, Vorlieben zu kennen oder die eigene Biografie erzählen zu können. Selbsterkenntnis verlangt, dass der Mensch sich auch dort begegnet, wo er sich ungern sieht: in seinen Ängsten, in seinen Eitelkeiten, in seinen Lügen und Peinlichkeiten, in seinem Unvermögen und all seinen schuldhaften Verfehlungen, in den unerfüllten Sehnsüchten. Selbsterkenntnis bedeutet also, sich in seiner Gesamtheit zu sehen, im glänzenden Licht, aber auch in der tiefsten Dunkelheit und in der Lage zu sein, diese zu akzeptieren und zu verstehen, dass die dunklen Seiten auch zu uns gehören, genauso wie unsere hellen, schönen Seiten, so, wie das schon durch das musivische Pflaster symbolisiert wird. Und im Unvermögen der Akzeptanz unserer dunklen Seiten liegt einfach das Problem. Hier betritt dann der Selbstbetrug die Bühne.
Der Mensch ist nicht nur ein Wesen, das sich irren kann; er ist auch ein Wesen, das sich manchmal auch irren möchte, das manchmal vergessen möchte. Er möchte sich lieber so sehen, wie er vor sich selbst gerne erscheint. Selbstbetrug ist nicht immer moralische Schwäche, sondern er hat auch eine Schutzfunktion. Der Mensch betrügt sich, weil Wahrheit bedrohlich sein kann. Manche Wahrheit würde das Selbstbild so stark erschüttern, dass es einstürzt, oder Entscheidungen als falsch erscheinen lassen, an denen man lange festgehalten hat.
- Ein Mensch, der sich jahrelang für mutig gehalten hat, will vielleicht nicht erkennen, dass er in entscheidenden Momenten doch aus Angst geschwiegen hat.
- Jemand, der sich als aufopferungsvoll sieht, will vielleicht nicht wahrhaben, dass seine Hilfe andere abhängig macht und alles andere als altruistisch ist.
- Wer sein Leben einem Beruf, einer Beziehung oder einer Idee gewidmet hat, kann schwer akzeptieren, dass er darin vielleicht nicht Erfüllung, sondern Ausflucht gesucht oder sich grundlegend getäuscht hat.
Selbstbetrug entsteht also dort, wo eine schmerzhafte Wahrheit mit einem gewünschten Selbstbild kollidiert. Der Mensch sagt sich dann nicht unbedingt ausdrücklich etwas Falsches. Viel häufiger verschiebt er Akzente. Er schaut nicht genau hin, erinnert sich selektiv, findet Ausnahmen, Entschuldigungen und Nebengründe und oftmals hilft der Mensch dabei etwas nach und zwar mit allem, was unser Bewusstsein zu beeinflussen vermag. Er umgibt sich auch gerne mit Menschen, die seine Sicht bestätigen. Er vermeidet Situationen, in denen die Wahrheit sichtbar werden könnte.
Manchmal geht der Selbstbetrug bis zur Konstruktion einer abstrusen Neorealität. Hierher gehört dann der Begriff der Lebenslüge, denn er ist größer als der des Selbstbetruges. Eine Lebenslüge ist eine Grundfiktion, um die herum ein Mensch sein Leben organisiert, aber sie ist manchmal nicht völlig absurd. Sie enthält oft genügend Wahrheit, um glaubwürdig zu klingen, aber eben auch genug Unwahrheit, um Selbsterkenntnis zu verhindern. Sie stabilisiert das eigene Ich und gibt dem eigenen Leben Form, Sinn und Rechtfertigung. Deshalb ist sie so schwer aufzugeben. Wer seine Lebenslüge verliert, verliert nicht nur einen Irrtum, sondern oft ein ganzes Selbstbild. Er muss sich fragen: Wer bin ich dann, wenn diese Geschichte über mich nicht stimmt? Darum kann Selbsterkenntnis auch in eine Krise führen. Sie befreit nicht immer sofort. Manchmal zerstört sie zuerst. Sie nimmt Illusionen, bevor sie Orientierung gibt. Auf der anderen Seite gibt es auch ganz furchtbare Erlebnisse (Kriegsverbrechen, andere Gewaltdelikte, Unfälle mit Nahtoderlebnis) die so gravierend sind, dass unser Gehirn sie zu unserem Schutz, um ein Weiterleben zu ermöglichen, erstmal ausblendet. Aber auch da ist es so, dass sie verarbeitet und somit in die eigene Biografie eingebaut werden müssen, damit sie ihre psychodynamische Wirksamkeit und damit ihr schädigendes Potential verlieren.
Was Selbsterkenntnis eigentlich bedeutet
Selbsterkenntnis ist mehr als Selbstbeobachtung. Wer sagt: „Ich bin eher ruhig“, „Ich bin ehrgeizig“ oder „Ich neige zur Ungeduld“, beschreibt seine ihm bewussten Eigenschaften. Doch Selbsterkenntnis geht tiefer, denn sie fragt auch nach Motiven.
- Warum bin ich ehrgeizig? Bringe ich Leistung, weil mich die Sache interessiert, oder weil ich Anerkennung brauche?
- Bin ich wirklich großzügig, oder tue ich nur so?
- Vermeide ich Konflikte aus Friedfertigkeit, oder aus Angst vor der Niederlage?
- Liebe ich jemanden wirklich, oder brauche ich ihn, um mich selbst zu stabilisieren?
Selbsterkenntnis ist also nicht bloß psychologische Inventur, sondern eine Form innerer Wahrheitssuche. Sie verlangt, dass der Mensch seine Motive von seinen Rechtfertigungen unterscheidet. Wir geben unseren Handlungen edle Gründe, wo vielleicht verletzte Eitelkeit, Bequemlichkeit, Angst oder Besitzdenken die Triebfedern waren. Der Mensch ist hier zugleich Autor und Hauptfigur seiner eigenen Geschichte, und das macht es manchmal schwierig. Für die Selbsterkenntnis sind andere Menschen unabdingbar, weil man deren Spiegelung braucht und weil Andere an uns Dinge erkennen, die wir selbst übersehen. Sie bemerken unsere Ausflüchte und die Widersprüche, sie erkennen die blinden Flecken. Darum ist Kritik für die Selbsterkenntnis so wichtig. Natürlich meint es nicht jeder Kritiker gut mit uns, aber wer generell keine Kritik an sich heranlässt, schützt nicht seine Würde, sondern seine Illusionen. Gleichzeitig braucht Selbsterkenntnis einen Raum, in dem Wahrheit erträglich wird. Alleinige und herablassende Bloßstellung hilft nicht, sondern schadet. Die Begleitung ist es, die Hilfe bei der Annahme der Wahrheit ist es, was zählt und das alles findet man in der Loge.
Selbsterkenntnis und Lebenslüge stehen in einem Spannungsverhältnis. Die Selbsterkenntnis will enthüllen; die Lebenslüge will verhüllen. Die Selbsterkenntnis fragt: „Was ist wahr?“ Die Lebenslüge antwortet: „Was muss ich glauben, um weiterleben zu können?“. Selbsterkenntnis verlangt eine gewisse Fähigkeit, innere Spannung auszuhalten. Man muss sich ansehen können, ohne sofort zu fliehen. Man muss sagen können: „Ja, das gehört auch zu mir.“ Nicht um sich zu vernichten, sondern um nicht länger von unbewussten Motiven beherrscht zu werden.
Selbsterkenntnis ist kein einmaliger Akt, sondern ein fortdauernder Prozess. Sie ist unbequem, weil sie den Menschen mit dem konfrontiert, was er lieber nicht sehen möchte. Gerade deshalb ist der Selbstbetrug ihr mächtigster Gegner, denn er bietet Trost, Zusammenhang und Entlastung; doch er tut dies um den Preis der Wahrheit.
Wer sich selbst erkennen will, muss lernen, zwischen heilsamer Selbstannahme und beschönigender Selbsttäuschung zu unterscheiden. Er muss sich fragen, welche Geschichten er über sich erzählt und wem sie dienen. Er muss bereit sein, Enttäuschungen – gerade über sich selbst – nicht als Verlust, sondern als Befreiung zu begreifen, denn man hat die Täuschung erkannt und sieht nun klarer. Das Spezielle der Enttäuschung im Rahmen der Selbsterkenntnis ist, dass sie die eigene Person betrifft! Das Erkennen, dass man doch nicht so ist, wie man bislang geglaubt hat, ist schmerzhaft, kann sogar krisenhaft sein. Selbsterkenntnis bedeutet am Ende nicht, ein vollkommen klares, makelloses Bild von sich zu besitzen. Es bedeutet, sich der Wahrheit über sich selbst auszusetzen, ohne vor ihr zu fliehen. Darin liegt ihre Würde: Der Mensch wird nicht dadurch frei, dass er keine Schatten hat, sondern dadurch, dass er aufhört, sie für Licht zu halten. Sich selbst so anzunehmen, sich selbst verzeihen zu können und sich mit seinen dunklen Seiten zu lieben, ist die Kunst ohne die – das ist zumindest meine Meinung – ein glückliches Leben nicht möglich ist.
Warum ist Selbsterkenntnis überhaupt wichtig? Weil Selbstbetrug unfrei macht. Wer seine Motive nicht kennt, wird von ihnen gelenkt. Wer seine Angst nicht erkennt, nennt sie vielleicht Vernunft. Wer seine Abhängigkeit nicht erkennt, nennt sie Liebe. Wer seine Feigheit nicht erkennt, nennt sie Frieden. Selbsterkenntnis schafft Freiheit, nicht weil sie alle Schwächen beseitigen würde, sondern weil sie das Verhältnis zu uns selbst verändert. Was ich erkenne, muss mich nicht mehr heimlich beherrschen. Ich kann mit meiner Angst umgehen, statt sie als Argument zu tarnen. Ich kann meine Bedürftigkeit anerkennen, statt sie anderen als Schuld aufzubürden. Ich kann Verantwortung übernehmen, statt mein Leben als bloße Folge äußerer Umstände zu erzählen. Selbsterkenntnis darf nicht mit schonungsloser Selbstzerlegung verwechselt werden, denn diese befreit nicht, sondern lähmt. Wer jedes Motiv verdächtigt, jede Freude zergliedert und jede Handlung moralisch seziert, kann in eine krankhafte Selbstbeobachtung geraten. Deshalb besteht reife Selbsterkenntnis nicht darin, alle Abgründe ständig offen zu halten, sondern wahrheitsfähig zu werden: bereit, sich zu korrigieren, bereit, die eigenen Geschichten zu überprüfen, bereit, Verantwortung für sich, für das eigene Leben zu übernehmen, ohne sich in Selbsthass zu verlieren.
Die Lebenslüge dagegen hält den Menschen in einer falschen Ordnung fest. Sie schützt kurzfristig, aber sie kostet Wirklichkeit. Sie bewahrt das Selbstbild, aber beschädigt das Selbstverhältnis. Am Ende lebt der Mensch nicht sein Leben, sondern die Verteidigung einer Geschichte über sein Leben.
Zum Schluss: Selbsterkenntnis ist möglich und wichtig, sie ist die Grundlage für ein verantwortungsvolles und erfülltes Leben, sie erfordert viel Mut, große Geduld und einen geschützten Raum mit zugewandten Menschen. Sie kann eine Lebenskrise auslösen und sie kann autodestruktiv sein, wenn man sie falsch praktiziert. Selbsterkenntnis sollte auch dazu führen, die eigenen Bedürfnisse zu kennen, also eine Antwort auf die Frage geben zu können, was jeder von uns wirklich zum Leben braucht. Die Notwendigkeit dessen wird in allen Büchern zu Gesellschaftsutopien (beginnend bei Thomas Morus 1516) betont und gewinnt aus meiner Sicht heute, nachdem sich mit 50-jähriger Latenz nun die Binsenweisheit durchzusetzen beginnt, dass wir auf einem Planeten mit begrenzten Ressourcen leben, besondere Bedeutung.
Dass viele Menschen diese Frage eben nicht beantworten können, ist der Grund für den immensen Erfolg der Werbung, die ja ausschließlich dazu dient, psychologisch geschickt Bedürfnisse zu generieren, die eigentlich gar nicht vorhanden sind. Diesem unseligen Weg gegenzusteuern, ist wichtig und weist darauf hin, dass sich der Weg zur Selbsterkenntnis lohnt, für jeden einzelnen und für unsere Gesellschaft.
- [1]Die „Sieben Weisen“ sind eine Gruppe von Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens aus der Zeit vom 7.- 6. Jh v.Chr.,, die durch ihre Weisheitssprüche – die „Gnomen“ – bekannt geworden sind. Platon zählte dazu: Thales von Milet, Pittakos von Mytilene, Bias von Priene, Solon von Athen, Kleobulos von Lindos, Myson von Chenai und Chilon von Sparta.↩
- [2]Bernhard von Clairvaux, Sermones super Cantica Canticorum 37Link↩
Lieber Bruder Steffen,
vielen Dank für die kluge und einfühlsame Zeichnung.
Dein Bruder Ludwig
Lieber Bruder Steffen,
quod erat dicendum! Danke für die profunden Aufschlüsselungen, die, so ist es zu hoffen, ihre Wege zu möglichst vielen Leser*innen finden und gehen werden.
Herzlich, dein Bruder Sylvio ☀️☀️☀️
Bernhard von Clairvauxs Satz »Niemand wird gerettet ohne Selbsterkenntnis« hat mit einer modernen Vorstellung von Selbsterkenntnis nichts gemein. Bei Bernhard ist Selbsterkenntnis ein theologischer Akt der Demütigung vor Gott, nicht ein psychologischer Prozess der Selbstanalyse. Die beiden Konzepte teilen lediglich den Begriff, nicht aber Struktur, Funktion oder Zielrichtung.