Bremen. Den Kern der Freimaurerei bewahren, die Werkzeuge modernisieren. Das ist die zentrale Botschaft, die vom Großlogentag 2026 in Bremen ausgeht.
Wiedergewählt wurde mit überwältigender Mehrheit Großmeister Br. Stefan Kunnert sowie die bisherigen Vorstandsmitglieder Br. Elmar Kirchberg und Br. Frank Schmalbach. Neu in den Vorstand wurden gewählt: Br. Peter Pulsfort als Zugeordneter Großmeister, Br. Jens Krömer als Großkanzler und Br. Sebastian Jüllig als Großschatzmeister. Die Wahlen umfassten auch die Mitglieder des Gerichts der Großloge, die Schlichter, den Rechtsausschuss und die Rechnungsprüfer. Sämtliche Nominierten wurden durch die Wahl bestätigt.

Bremer Rathaus, Treffpunkt für den rituellen Abschluss des Großlogentages. Foto: Jürgen Herda
Der neue Beamtenrat wurde zum Abschluss des Großlogentages im Rahmen einer feierlichen Tempelarbeit verpflichtet – in einem der glanzvollsten Rathäuser Deutschlands, der Oberen Rathaushalle in Bremen, Herzstück des bremischen Bürgerstolzes.
Im 41 Meter langen, prachtvollen Festsaal, im profanen Alltag Schauplatz von Staatsempfängen, Konzerten und der traditionellen Schaffermahlzeit, mit drei imposanten historischen Schiffsmodellen über den Köpfen sowie alten Holzmedaillons und großen Wandgemälden an den Wänden, zelebrierten rund 260 Freimaurer-Brüder das neue Maurerjahr in neuer Aufstellung.
Nach intensivem Austausch zu den gesetzten Themen der beiden Vortage erlebten die Brüder dort den emotionalen Höhepunkt mit Begrüßungen der Ehrengäste der Großmeister und Vertreter aller Obödienzen der Vereinigten Großlogen von Deutschland sowie des Schottischen Ritus (AASR).

Kandidaten stellen sich vor: Großlogentag in Bremen mit Wiederwahl des Großmeisters. Foto: Jürgen Herda
Sternstunde der freimaurerischen Debattenkultur
Zuvor hatte die Bruderschaft bewiesen, dass sie auch kontroverse Fragen nicht scheut, sondern versucht, sie im Geist gegenseitigen Respekts auszutragen. Zwischen Hafenatmosphäre und hanseatischer Gelassenheit waren die Logenvertreter aus ganz Deutschland auch bei heiklen Themen dem Appell des Zugeordneten Großmeisters Br. Elmar Kirchberg gefolgt.
„Das kann eine Sternstunde der freimaurerischen Debattenkultur werden oder auch gründlich in die Hose gehen.“
Die meisten Redebeiträge orientierten sich schließlich an den Sternen. Zwei Tage lang wurde diskutiert, gerechnet, gewählt, erinnert und verpflichtet. Im Zech-Tower mit Blick auf die Überseestadt. Und selbst dort, wo Meinungen sichtbar auseinanderliefen, blieb der Ton bemerkenswert diszipliniert.
Schon beim Begrüßungsabend im traditionsreichen Bremer Logenhaus zeigte sich jene Mischung aus norddeutscher Nüchternheit und brüderlicher Wärme, die das Treffen prägen sollte. Manche Brüder waren bereits am Nachmittag angereist, andere kamen direkt aus ihren Arbeitswochen in den Bund. Es wurde diskutiert, gelacht und spekuliert, welche Themen die kommenden Tage dominieren würden.

Auf dem Podium (von links): Br. Christoph Schmidt (Kanzlei), ZGM Br. Elmar Kirchberg, GM Br. Stefan Kunnert, ZGM Br. Uwe Schmidt beim Großlogentag in Bremen. Foto: Jürgen Herda
„Nicht im Gleichklang, sondern im respektvollen Ringen“
Den geistigen Ton des Treffens setzte Großmeister Br. Stefan Kunnert gleich zu Beginn seines Rechenschaftsberichts. Nicht Macht oder Führung steht dem Großmeister gut zu Gesicht, sondern Verantwortung als „Primus inter pares“. Die vergangenen vier Jahre seien geprägt gewesen von Begegnungen, Vertrauen und dem Versuch, die Großloge als lernfähige Gemeinschaft weiterzuentwickeln.
Besonders deutlich wurde Br. Stefan Kunnert bei der Beschreibung des inneren Selbstverständnisses des Bundes. Die Großloge AFuAMvD verstehe sich nicht als programmatische Organisation mit politischer Außenwirkung, sondern als Lebensschule des einzelnen Bruders. Gerade deshalb brauche es Offenheit für unterschiedliche Sichtweisen:
„Ich habe die Großloge als Gemeinschaft erlebt, die den Diskurs nicht scheut – nicht im Gleichklang, sondern im respektvollen Ringen.“
Ein Leitmotiv für die folgenden Debatten. Denn tatsächlich wurde intensiv gerungen: um Finanzen, Strukturen, Digitalisierung, Traditionen, Öffentlichkeitsarbeit und schließlich auch um grundlegende Fragen freimaurerischer Identität.

Organisation: DM Br. Thorsten Lieder (Mitte). Foto: Jürgen Herda
Zwischen Digitalisierung und Haushaltsdisziplin
Der Bericht des Großschatzmeisters Br. Ralph Meixner zeigte zunächst eine erfreuliche Entwicklung. Es sei gelungen, zusammen mit den Mitgliederzahlen die Finanz- und Verwaltungsstrukturen zu stabilisieren. Digitalisierung, Videokonferenzen, konsequentes Controlling und positive Kapitalerträge hätten zu einer positiven Trendwende geführt.
In der anschließenden Diskussion wurden die Ausgaben für die digitale Weiterentwicklung des Magazins „humanität“ und die Finanzierung des Deutschen Freimaurermuseums in Bayreuth hinterfragt. Der Zugeordnete Großmeister Br. Frank Schmalbach, zuständig u. a. für die Medien der Großloge, machte deutlich:
„Die Ausgaben beinhalten nicht nur die Redaktion, sondern auch Webmaster, Grafikkosten für die vierteljährlich erscheinende druckfähige PDF – sowie einen Budget für eine geplante Buchausgabe.“

Br. Dr. Roland Hanke stellt das Freimaurer-Museum in Bayreuth beim Großlogentag in Bremen vor. Foto: Jürgen Herda
Bewahrer des kulturellen Schatzes der Freimaurer
Stichwort für den Vorsitzenden des Museumsvereins Br. Dr. Roland Hanke:
„Das Deutsche Freimaurermuseum (www.freimaurermuseum.de) ist ein herausragendes Spezialmuseum im deutschen Sprachraum, das sich mit dem kulturellen Erbe der Freimaurerei in Deutschland auseinandersetzt.“
Ein begehbares Schaumuseum, das repräsentative Objekte zur Freimaurerei vom 17. Jahrhundert bis heute zeige – einem Archiv mit Urkunden und Mitgliederverzeichnissen aller deutschen Freimaurerlogen und einer einzigartigen Bibliothek als Herzstück des Museumsvereins.
Förderung von Bildung, Kultur, Jugend- und Altenhilfe
2020 gegründet, ist die gemeinnützige Stiftung der Großloge AFuAMvD (www.afuamvd-stiftung.de) inzwischen fest im Aktivitätskanon der Großloge verankert. Vorsitzender Br. Friedrich Kötter-Boisserée und der 2. Vorsitzende Br. Klaus Maier konnten anhand der positiven Entwicklung der beiden vergangenen Jahre einen zuversichtlichen Blick auf Künftiges werfen.

Kommunikation, Information und Austausch auf dem Großlogentag in Bremen. Foto: Jürgen Herda
Fester Ort für den Großlogentag
Breiten Raum nahmen auch vereinsrechtliche und organisatorische Fragen ein. Diskutiert wurde über die Reform zukünftiger Großlogentage, die Rolle des Stuhlmeistergesprächs und die Frage, wie sich Begegnung, Effizienz und Kosten künftig besser austarieren lassen. Br. Thorsten Lieder, Distriktmeister Bremen und Vorsitzender des Ritualkollegiums, stellte als Sprecher der Arbeitsgruppe „Scouting“ die Ergebnisse einer Sondierung vor.
Im Gegensatz zu früheren wechselnden Veranstaltungsorten habe man nun als möglichen festen Ort für den Großlogentag ab 2028 das Lufthansa-Zentrum in Seeheim ins Auge gefasst.
„Es gibt dort ausreichend Arbeitsgruppenräume, man kann eine Tempelarbeit durchführen, die 500 Zimmer bieten genügend Übernachtungsmöglichkeiten für alle Teilnehmer, und es ist eines der wenigen Hotels, die dazu bereit waren, mit uns über eine langfristige Finanzplanung zu sprechen.“
In Fulda oder Kassel, zwar eher in der geografischen Mitte Deutschlands angesiedelt, sei das nicht der Fall. Selbst der Shuttledienst vom Frankfurter Flughafen bzw. dessen Bahnhof sei bereits in den Zimmerpreisen inkludiert. Daneben wurden weitere Orte – auch in den neuen Bundesländern – diskutiert.
Auf das Stuhlmeistergespräch im Rahmen des Großlogentages soll nach mehrheitlicher Abstimmung auch künftig nicht verzichtet werden. Die Brüder erachten es als wertvoll, den internen Austausch in diesem Format weiter durchführen zu können.

Br. Thorsten Lieder stellt beim Großlogentag in Bremen Ideen zur Reform des Großlogentags-Konzepts vor. Foto: Jürgen Herda
Feierlicher Abend mit Spenden
Der erste Teil des Großlogentages wurde durch einen Abend im „Schuppen 2“ des Bremer Überseehafen-Geländes abgerundet, der neben der Geselligkeit im Wesentlichen dem mildtätigen Aspekt der Freimaurerei diente.
Es ist zum guten Brauch geworden, dass die gastgebende Loge (in Bremen war das die Logengemeinschaft) eines Großlogentages oder -treffens zwei lokale gemeinnützige Organisationen nennt, die an diesem Abend eine Spende aus dem Budget der Großloge und aus der Sammlung der Tempelarbeit erhalten.
In Bremen war dies zum einen der gemeinnützige Verein „Die Suppenengel“ unter der Schirmherrschaft der Präsidentin der Bremischen Bürgerschaft. Die andere Hälfte ging an die „Bremer Tafel“, die seit 30 Jahren überschüssige Lebensmittel an armutsgefährdete Menschen verteilt. Beide Organisationen wurden mit je 5.000 EUR bedacht. Großmeister Br. Stefan Kunnert überreichte der Vertreterin und dem Vertreter je einen symbolischen Scheck.

Scheckübergabe an den gemeinnützigen Verein Suppenengel. Foto: Popp
Eine emotionale Debatte
Erwartungsgemäß die am meisten emotionale Debatte entspann sich am abschließenden Freitag des Großlogentages zur Frage, wie die Großloge mit Brüdern umgeht, die nach ihrer Aufnahme eine Geschlechtsumwandlung vollziehen.
Zugeordneter Großmeister Br. Elmar Kirchberg sprach als Versammlungsleiter eingangs von einem „Dilemma zwischen zwei Seiten, die uns gleich viel wert sind“ und appellierte eindringlich an einen respektvollen Umgangston:
„Es kann eine Glanzstunde freimaurerischer Debattenkultur werden. Es kann auch in die Hose gehen.“
Beide Argumentationslinien hielten sich die Waage: Manche Brüder betonten das traditionelle Selbstverständnis der Freimaurerei als Männerbund. Andere hoben das lebenslange Bruderband, individuelle Würde und menschliche Begleitung hervor. Viele sprachen offen über innere Konflikte zwischen juristischer Klarheit, persönlicher Loyalität und freimaurerischer Humanität.
Eine knappe Mehrheit warb dafür, sich nochmals mehr Zeit für Gespräche zu nehmen und sich umfassend zu informieren. Folgerichtig wurde der vorliegende Antrag auf den Großlogentag 2028 verwiesen.

Neu gewählt beim Großlogentag in Bremen: Großschatzmeister Br. Sebastian Jüllig. Foto: Jürgen Herda
Zwischen Tradition und Zukunft
Eine klare Absage erteilte der Großlogentag den Anträgen einer Gruppe von Brüdern, die eine permanente Zukunftswerkstatt ins Leben rufen wollen.
Am Ende dieses Bremer Großlogentages bleibt der Gesamteindruck: Die Großloge AFuAMvD gestaltet ihre Zukunft, organisatorisch, finanziell und gesellschaftlich – ein gemeinsames Ringen auf der Winkelwaage um Standpunkte. Aber sie versucht dabei, den inneren Ton der Brüderlichkeit nicht zu verlieren.

Abstimmung und Wahlen: Großlogentag im Zech-Tower Bremen. Foto: Jürgen Herda
Geschlechtsumwandlung: Ich denke, dieses Thema wird uns selten tangieren. Aber ein Br.: der sich zur Frau transformieren lässt, wird sich in der männich geprägten FM nicht mehr wohl fühlen und die Brr.: mit ihm bzw. dann ihr auch nicht. Für alle Teile eine unlösbare Situation. Er bzw. dann sie sollte die FM verlassen. Er bzw. dann sie hat sich entschieden, in Zukunft als Frau zu leben.