Bayreuth. Ein fast vergessenes Kapitel der Freimaurergeschichte rückt ins Licht der Gegenwart. Zwischen Aufklärung, Mystik und gesellschaftlichem Aufbruch entfaltet sich die Geschichte der „Asiatischen Brüder“. Und mit ihr die Frage, wie Freimaurerei einst Brücken zwischen Religionen und Kulturen zu schlagen versuchte.

Von der Redaktion

Wenn Geschichte in die Gegenwart reicht und Forschung im gesprochenen Wort lebendig wird: Am 18. Juni 2026 lädt das Deutsche Freimaurermuseum in Bayreuth zu einer Lesung mit dem renommierten Historiker Helmut Reinalter ein – und öffnet damit ein Fenster in ein faszinierendes, wenig bekanntes Kapitel der freimaurerischen Hochgradtradition.

Experiment der Aufklärung

Im Mittelpunkt steht der Orden der „Ritter und Brüder St. Johannis des Evangelisten aus Asien in Europa“, besser bekannt als die „Asiatischen Brüder“. Gegründet im Jahr 1782, war dieser Bund mehr als ein weiteres System innerhalb der vielfältigen freimaurerischen Landschaft: Er war ein Experiment der Aufklärung.

Der Versuch, Juden und Christen in einem gemeinsamen Orden zu vereinen, machte ihn zu einem bemerkenswerten Zeugnis für frühe Emanzipationsbestrebungen – und zugleich zum Gegenstand heftiger Kontroversen.

Buchvorstellung: Geschichte des Ordens

Helmut Reinalter zeichnet in seiner Lesung die Entwicklung dieses Ordens von seinen Anfängen bis zu seinem Ende nach. Er beleuchtet Organisationsstruktur, Gradsystem und geistige Hintergründe – und ordnet die Bewegung in die Spannungsfelder ihrer Zeit ein: zwischen mystischer Freimaurerei und rationaler Aufklärung, zwischen innerer Suche und äußerer Ablehnung, etwa durch konkurrierende Strömungen wie die Gold- und Rosenkreuzer.

Die Veranstaltung ist zugleich eine Buchvorstellung: Die jüngst erschienene Aktenedition versammelt zentrale Quellen zur Geschichte des Ordens – von programmatischen Texten bis hin zu ausgewählter Korrespondenz. Sie macht sichtbar, wie intensiv die damaligen Debatten geführt wurden – und wie aktuell manche Fragen geblieben sind.

Der Versuch, Juden und Christen in einem gemeinsamen Orden zu vereinen, machte die „Asiatischen Brüder“ zu einem bemerkenswerten Zeugnis für frühe Emanzipationsbestrebungen. Collage: Gipi/jrh

Über den Autor
Prof. Dr. Helmut Reinalter ist Historiker, Ideengeschichtler und langjähriger Forscher zur Freimaurerei sowie zur politischen Philosophie der Aufklärung.
Lesung mit Prof. Dr. Helmut Reinalter
Thema: Der Orden der „Asiatischen Brüder“
Datum: 18. Juni 2026, 19 Uhr
Ort: Deutsches Freimaurermuseum, Im Hofgarten 1, Bayreuth
Herausgeberband: Reinalter/Markner/Gerlach/Maurice (Hg.): „Akten und Texte zum Orden der Ritter und Brüder St. Johannis des Evangelisten aus Asien und Europa“, Schwabe Verlag, 2026, ca. 500 Seiten.HIER bestellen